In diesem Guide erklären wir Ihnen die Pfefferspray Behandlung Schritt für Schritt: wie Sie eine mit Pfefferspray betroffene Körperstelle am besten behandeln, ob sich Pfefferspray neutralisieren lässt und was hinter dem Wirkstoff OC und Capsaicin steckt. Sie erfahren, warum Wasser allein nicht ausreicht, wie eine Behandlung konkret aussieht und was Sie tun, wenn Pfefferspray ins Auge gelangt ist. Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Hilfe. Im Ernstfall wenden Sie sich immer an das Tox-Zentrum unter der Nummer 145.
Wichtig: Wirkstoff nicht verreiben und Tox-Zentrum 145 anrufen
Kontaktieren Sie im Ernstfall zur Pfefferspray Behandlung direkt das Tox-Zentrum unter der Notrufnummer 145, das 24 Stunden erreichbar ist. Bringen Sie die betroffene Person zuerst aus dem kontaminierten Bereich und entfernen Sie anschliessend die kontaminierten Kleider. Ganz wichtig: Verreiben Sie das Spray niemals auf der betroffenen Stelle. Sie können die Symptome damit nicht wegwischen oder stoppen. Pfeffersprays reizen die Kapillaren und verursachen ein sehr starkes Brennen. Wenn Sie die Stelle berühren und reiben, öffnen Sie die Kapillaren weiter, verstärken das Brennen und verteilen den Wirkstoff zusätzlich.
Warum es kein direktes Gegenmittel gegen Pfefferspray gibt
Es gibt kein direktes Gegenmittel gegen Pfefferspray. Es existiert nichts, was die Schmerzen sofort beseitigt. Das Einzige, was mit Sicherheit hilft, ist die Zeit. Trotzdem können Sie einige Erste-Hilfe-Schritte unternehmen, um das enthaltene Oleoresin Capsicum (OC) und dessen Wirkstoff Capsaicin so gut wie möglich von den betroffenen Stellen zu entfernen und so die Beschwerden zu verkürzen. Dafür ist zunächst ein Grundwissen über den Inhaltsstoff OC hilfreich.
Was Oleoresin Capsicum (OC) und Capsaicin sind
Capsaicin ist der Wirkstoff, der in OC enthalten und für das starke Brennen von Pfeffersprays verantwortlich ist. Gewonnen wird dieser Reizstoff aus Chilischoten. Um OC aus den Chilis zu extrahieren, werden organische Lösungsmittel wie zum Beispiel Ethanol verwendet. Der entscheidende Punkt für die Behandlung: OC ist fettlöslich und nicht wasserlöslich. Mit dieser Information lässt sich das passende Behandlungsmittel auswählen.
Warum Wasser allein nicht ausreicht
Weil OC fettlöslich ist, lässt es sich mit reinem Wasser nur schwer von der Haut lösen. Wasser allein ist deshalb am wenigsten geeignet, warmes Wasser kann die Beschwerden sogar verstärken, weil es die Poren öffnet. Wenn kein anderes Mittel verfügbar ist, sollten Sie reines, kaltes Wasser in sehr grossen Mengen über einen langen Zeitraum anwenden, zum Beispiel mit einem Gartenschlauch über rund 30 Minuten. Besser geeignet sind jedoch fettlösende Mittel.
Diese fünf Mittel entfernen OC am besten
Nicht jede Methode wirkt bei jedem Hauttyp und an jeder Körperstelle gleich gut. Im Ernstfall gilt immer: zuerst das Tox-Zentrum unter 145 kontaktieren. Diese fünf Mittel können den Wirkstoff lösen:
- Wasser: am wenigsten geeignet, da OC nicht wasserlöslich ist. Nur kaltes Wasser in grossen Mengen über lange Zeit bringt etwas Linderung.
- Pflanzenöl: gut geeignet, weil OC fettlöslich ist und Öl den Wirkstoff löst. Verwenden Sie ein flüssiges, kein festes Öl.
- Milch: das enthaltene Casein reduziert die weitere Freisetzung und bindet das Capsaicin. Verwenden Sie am besten kalte Vollmilch.
- Alkohol: Ethanol wird zur Gewinnung von Capsaicin genutzt und kann OC entsprechend von der Haut lösen.
- Babyshampoo: die wohl einfachste und für die meisten Menschen sinnvollste Variante. Die milde Seife löst OC zuverlässig und ist meist überall griffbereit.
So läuft die Behandlung mit Babyshampoo Schritt für Schritt
Mischen Sie rund 25 Prozent Babyshampoo mit 75 Prozent kaltem Wasser. Stellen Sie mindestens vier Liter dieser Mischung her, denn Sie werden die betroffene Stelle sieben bis acht Mal waschen müssen. Wurde das Gesicht kontaminiert, verwenden Sie ein grosses, tiefes Gefäss, in das Sie das Gesicht ganz eintauchen können. Tauchen Sie das Gesicht jeweils 10 bis 15 Sekunden ein, damit die Mischung wirken und das Capsaicin lösen kann.
Nutzen Sie zu Beginn weder Hände noch Tuch, sondern lassen Sie die Mischung einfach einwirken. Nach einigen Durchgängen können Sie mit den Händen oder einem vollgesaugten Tuch nachhelfen. Zu Beginn schmerzt das meist stark, bleiben Sie ruhig und geben Sie dem Mittel Zeit. Sobald Sie das Gesicht ohne allzu grosse Schmerzen berühren können, arbeiten Sie die Mischung mit etwas mehr Druck ein und spülen zwischendurch ab. Stellen Sie bei Bedarf eine frische Mischung her, damit Sie keine Capsaicin-Rückstände wieder einarbeiten.
Was tun, wenn Pfefferspray in die Augen gelangt
Pfefferspray in den Augen ist der schmerzhafteste Fall einer Kontamination. Tragen Sie Kontaktlinsen, entfernen Sie diese so schnell wie möglich und entsorgen Sie sie anschliessend, da sie sich praktisch nicht mehr vom Pfefferspray befreien lassen. Um das Capsaicin aus den Augen zu bekommen, hilft es, den Tränenfluss zu aktivieren, etwa durch Blinzeln. Ist das vor Schmerzen nicht möglich, können Sie die Augen mit einer Kochsalzlösung ausspülen. Auch hier gilt im Zweifel: das Tox-Zentrum unter 145 anrufen.
Wie lange die Symptome dauern
Eine Dekontamination von Pfefferspray dauert normalerweise rund 15 bis 45 Minuten, bevor die Symptome spürbar nachlassen. Wie schnell die Erholung eintritt, hängt stark vom Hauttyp und von der betroffenen Körperstelle ab. In dieser Zeit ist es wichtig, ruhig zu bleiben und die betroffene Stelle nicht zu reiben, auch wenn das Brennen stark ist. Trinken Sie nichts und essen Sie nichts, solange der Mundbereich betroffen ist. Bleiben die Beschwerden aussergewöhnlich lange bestehen oder verschlimmern sie sich, suchen Sie ärztliche Hilfe und kontaktieren Sie das Tox-Zentrum unter 145.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Es gibt kein Gegenmittel gegen Pfefferspray, mit Sicherheit hilft nur die Zeit.
- OC und Capsaicin sind fettlöslich, verwenden Sie einen Fettlöser wie Babyshampoo.
- Den Wirkstoff niemals verreiben, das verstärkt und verteilt das Brennen.
- Kontaktlinsen bei Augenkontakt sofort entfernen und entsorgen.
- Im Ernstfall das Tox-Zentrum unter der Notfallnummer 145 anrufen.
Vorbeugen mit dem richtigen Pfefferspray und etwas Übung
Die beste Behandlung ist, den eigenen Fehlgebrauch zu vermeiden. Wer sein Spray kennt und die Anwendung geübt hat, trifft im Ernstfall den Angreifer und nicht sich selbst. Wie Sie richtig zielen und auslösen, lernen Sie mit einem Trainingsspray oder in einem Pfefferspray Kurs. Welche Sprühart am wenigsten zu Eigenkontamination neigt, erklären wir im Ratgeber zu den Pfefferspray Arten. In unserem Onlineshop können Sie ein Pfefferspray kaufen aus einer handverlesenen Auswahl. Ein Pfefferspray in der Schweiz ist ab 18 Jahren bewilligungsfrei erhältlich, ein bewährtes Swiss-Made-Modell ist das Arasan BodyGuard.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann man Pfefferspray neutralisieren?
Es gibt kein direktes Gegenmittel, das die Schmerzen sofort aufhebt. Zuverlässig hilft nur die Zeit. Mit fettlösenden Mitteln wie milder Seife oder Babyshampoo können Sie den Wirkstoff aber von der Haut lösen und die Beschwerden verkürzen.
Was hilft am besten gegen Pfefferspray im Gesicht?
Am praktischsten ist eine milde Seife oder Babyshampoo, weil der Wirkstoff OC fettlöslich ist. Auch Pflanzenöl, kalte Vollmilch oder Alkohol lösen OC. Reines Wasser allein ist am wenigsten wirksam.
Warum hilft Wasser nicht gut gegen Pfefferspray?
Der Wirkstoff OC ist fettlöslich und nicht wasserlöslich. Wasser spült ihn kaum von der Haut. Nur sehr kaltes Wasser in grossen Mengen über längere Zeit bringt etwas Linderung.
Was tun bei Pfefferspray in den Augen?
Entfernen Sie Kontaktlinsen so schnell wie möglich und entsorgen Sie diese. Fördern Sie den Tränenfluss durch Blinzeln oder spülen Sie die Augen mit Kochsalzlösung. Im Ernstfall rufen Sie das Tox-Zentrum unter 145 an.
Wie lange dauern die Schmerzen nach Pfefferspray?
Eine Dekontamination dauert meist rund 15 bis 45 Minuten, bis die Symptome nachlassen. Wie schnell die Erholung eintritt, hängt stark vom Hauttyp ab.